Die Sache mit dem Apfel

Schon seit einiger Zeit trug ich mich mit dem Gedanken, mir einen neuen Computer für mein Büro anzuschaffen. Natürlich nicht irgendeinen Computer. Nein, es sollte schon etwas besonderes sein. Die Krone der Schöpfung unter den Personal Computern. Ein Apple Mac!

Ich arbeite seit vielen Jahren mit diesen Computern und deshalb habe ich eigentlich nie ernsthaft darüber nachgedacht, mir einen PC von der Stange zu kaufen. Weniger wegen der Technik, viel mehr wegen des desaströsen Betriebssystems und noch mehr weil es einfach eine Glaubenssache ist. Und bei Glaubenssachen sind Argumente nicht immer maßgeblich. Und die von Bill Gates schon gar nicht. Ich bin ja auch noch nie auf die Idee gekommen, katholisch zu werden. Auch wenn ich unter den großen christlichen Betriebssystemen keines für besser oder schlechter als das andere halte, vertraue ich auch hier doch lieber auf meine gewohnte protestantische Umgebung.

Ich habe also mal ganz vorsichtig einen Vorstoß bei der vernünftigsten Ehefrau von allen gewagt: „Schatz, in spätestens 1-2 Jahren brauch ich echt 'nen neuen Rechner und den alten muss ich unbedingt aufrüsten. Der geht mittlerweile voll in die Knie und das Aufrüsten ist auch nicht billig undsoweiterundsofort. Sie hat kurz unseren Kontostand vor ihrem inneren Auge vorüberziehen lassen und ist dann meinem Hundeblick erlegen.

Und wieder hat sie JA gesagt und es war fast so schön wie vor 24 Jahren.

Jetzt sitze ich hier vor diesem Wunderwerk der Technik – einem funkelnagelneuen, bildschönen und unglaublich fantastischen iMac mit dem größten aller 27"-Bildschirme. So hell wie die Sonne! Anfangs habe ich mich ihm ehrfürchtig mit einer Sonnenbrille genähert – bis ich die Taste zur Helligkeitsregulierung fand und ihn auf meinen unwürdigen User-Maßstab herunterdimmen konnte. Wie schön er ist!! Schmacht!

Und das neue Betriebsystem macht seinem Namen alle Ehre: Snow-Leopard (oder Snouleppad – wie die Macianer liebevoll sagen)! Schön, schnell und … unvergleichlich – zumindest, was Betriebssysteme anbelangt. Wer will schon gegen einen Schneeleopard antreten? Ein Pinguin oder ein offenes Fenster?

O.k. – vielleicht übertreibe ich ja. Vielleicht hätte ich nicht in Wimbledon-Manier auf Knien durchs Büro rutschen müssen, die Fäuste in die Luft gereckt, laut „Ja“, „Ja“, „Ja“ brüllend. Vielleicht war das übertrieben. Und vielleicht können nur eingefleischte Mac-User diesen dämlich glückseligen verklärten Blick verstehen, mit dem ich das riiiiiiiiieeesengroße Paket betrachtete – andächtig versunken in das Bild auf der Verpackung.

Ich hab mich eigentlich immer für einen saucoolen Antimaterialisten gehalten, der nichts auf Statussymbole gibt und ganz bewusst mit seinem total verdreckten Opel Astra am Nachbarn vorbeifährt, wenn der mal wieder seinen BMW auf Hochglanz poliert. Mit schwarzen Jeans auf Armani-Events rumlaufen und die Marken-Junkies bemitleiden. Gerade weil ich ja weiß, dass es auf ganz andere Dinge ankommt als alles, was diese Konsum-Gesellschaft uns prophezeien kann. Ja ich weiß – alles, was man an Besitz anhäufen kann bleibt letztlich hier zurück und wird verrotten.

Weiß ich ja alles. Aber was soll ich sagen – ich bin ein schwacher Mann und das Logo meines Macs ist nicht umsonst ein angebissener Apfel …

1 Kommentare:

  1. Oh no! Ich wusste gar nicht, dass du einen neuen Rechner hast... Na vielleicht ist diese unwichtige Information auch unter anderen viel wichtigeren Gesprächen untergeangen ;)

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