Hunde helfen bei der Drogenfahndung, Hunde finden verschüttete Menschen, Hunde helfen behinderten Menschen. Alles ganz fantastische Fähigkeiten, die der Hund vielen anderen Tieren (z.B. der Katze) voraus hat. Aber der beste Freund des Menschen kann manchmal auch tierisch nerven.
Ich wohne ich einer ziemlich kleinen Straße. Auf gefühlten 80 Metern leben seit einiger Zeit SIEBEN Hunde. Und das bei nicht mal 15 Einfamilienhäusern. Früher dachte ich eigentlich, dass ich Hunde mag – heute weiß ich es besser. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: grundsätzlich habe ich gar nichts gegen Hunde. Aber sie machen es mir zunehmend schwer, sie zu mögen.
Besonders die Hunde in unserer Straße – denn sie hassen sich offenbar. Wann immer einer von Ihnen den Hof verlässt und durch die Straße läuft, klinken alle anderen völlig aus hinter ihren hohen Hoftoren. Ich glaube fast, sie hassen sie es, wenn IRGENDJEMAND durch die Straße läuft. Sobald sich jemand in unserer Straße bewegt, bricht ein ohrenbetäubender Radau los. Das Orchester reicht vom stakkatohaften Gekläffe kleiner Wadenbeisser über das monotone Dauergebell eines Cockers bis zum tiefen Bass der großen Hunde. Und es klingt nicht nach der kleinen Nachtmusik.
Wir sind vor über 20 Jahren aus der Stadt aufs Dorf gezogen, damit unsere Kinder in Ruhe und Frieden aufwachsen können und nicht in dem Lärm und der Hektik der Stadt. O.K. – unsere Kinder sind inzwischen alle groß geworden und bisher war Hundegebell in diesem Ausmaß kein Thema. Vermutlich haben die Hunde 20 Jahre irgendwo gewartet, bis sie ihren Masterplan in Angriff nahmen, sich in unserer Straße zusammenzurotten, um mein Nervenkostüm in Fetzen zu bellen. Ich arbeite zu Haus und im Sommer gern bei offener Bürotür. Aber in letzter Zeit muss ich immer öfter bei Telefonaten die Tür schließen, denn meine Kunden dachten schon, dass ich während des Gesprächs von einer Horde Hunde angefallen werde.
Weil etliche Hundebesitzer leider nicht wissen, wie man Hunde erzieht, gibt es mittlerweile Hundetrainer, von denen einige schon zu Fernsehstars geworden sind. Diese Hundeflüsterer flüstern dann den Herrchen und Frauchen, was sie tun müssen, damit Hundi aufs Wort hört. Denn das funktioniert vorher leider oft nicht. Besonders, wenn Herrchen nicht nur ein, sondern viele Worte macht. Immer wieder gerne gesehen folgende Situation: zwei Hundehalter treffen aufeinander, die Tiere liegen sofort im Clinch und die Herrchen oder Frauchen hüpfen – hektisch Befehle schreiend – im Veitstanz drumherum. Ich freue mich schon immer, wenn ich mal einen Hundebesitzer mit einem gut erzogenen Hund treffe. In solchen Fällen denke jedes Mal: „Na also – es geht doch“.
Glücklicherweise sind die nervtötenden Hunde nicht überall. Es gibt noch Refugien ohne Gewinsel, Gekläff und Gekreisch. Dort kann ich aufatmen und all den anderen Tieren lauschen, die es auch noch gibt. (Übrigens kommunizieren die meisten Tiere in unserer Region wesentlich leiser als der gemeine Hauswolf in seinen sämtlichen Ausprägungen.) Hier wurde mir auch klar, warum es neben ganz normalen, gut erzogenen Hunden auch die extrem nervigen Exemplare gibt und ein ganzes Rudel davon ausgerechnet in unserer Straße: weil ich die Momente ohne Hundegeheul, Gekläffe, Gewinsel und Gebell sonst als etwas ganz normales abtun würde.
Und das sind sie weiß Gott nicht.
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