Advent heißt Erwartung

Adventszeit. Diesmal werde ich mich nicht von der allgemeinen Hektik mitreissen lassen. Diesmal werde ich die Ankunft Jesu in der Welt ganz bewusst erleben. Ich werde mir jeden Tag eine kleine Auszeit gönnen und werde diese Zeit mit Gott verbringen.

Voller Vorfreude bereite ich mir eine schöne Tasse Tee, nehme die Bibel zur Hand und zünde eine kleine Kerze an. Ich mache es mir in meinem Lieblingssessel bequem und werfe noch einmal einen kurzen Blick über die Schulter in die Dunkelheit draussen. Dann schlage ich die Bibel auf und das Telefon klingelt. Keiner geht ran, weil ich üblicherweise immer als erster abnehme. Also gut. Ich gehe ran.

Es ist meine Schwester und es geht um die Planung der Weihnachtsbesuche bei den Eltern. Ich will das Gespräch vertagen, aber sie besteht darauf, dass es höchste Zeit sei und sie müsse das noch mit den Anderen abstimmen. Nach 20 Minuten hin und her haben wir einen Konsens gefunden: wir machen es wie jedes Jahr. Also gut. nun zurück zur Bibel.

Wo der Gartenschlüssel sei, will meine Tochter wissen. Sicher sei er in meiner Hosentasche. Richtig. Aber in der Hose, die sich mittlerweile im Wäschekorb befindet. Ganz schlecht! Wäschekorb durchwühlen, Hose finden, Schlüssel an Tochter weitergeben und wieder gemütlich Platz nehmen. Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, Jesaja.

Da steht mein Sohn in der Tür und sagt, er müsse in 5 Minuten beim Training im Nachbarort sein und ich habe ihm versprochen, ihn zu fahren. Versprochen ist versprochen. Als ich zurück komme macht mich die fürsorglichste Ehefrau von allen darauf aufmerksam, dass ich die Kerze nicht gelöscht habe und wie gefährlich das sei. Glücklicherweise sei sie gerade noch rechtzeitig ins Zimmer gekommen.

Ich setze mich wieder in meinen Sessel und nippe am Tee. Kalt. Und irgendwie finde ich auch nicht mehr richtig in den Text hinein. Na ja, vielleicht klappt es morgen mit der Besinnlichkeit. Ist ja noch genug Zeit bis Weihnachten.

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