Das Licht der Welt

Nun ist sie also endgültig auf der Müllhalde der Geschichte gelandet: die gute alte Glühbirne. Über 100 Jahre hat sie die Welt erleuchtet und nun wurde festgestellt, dass sie dabei mehr Wärme als Licht produzierte und deshalb steht sie als Energieverschwenderin am Pranger. Man könnte sich natürlich die Frage stellen, ob der Welt nicht genau das fehlt: Licht, in Verbindung mit etwas mehr Wärme. Statt dessen bekommen wir nun kaltes Licht, gepaart mit Sparsamkeit und Effizienz. Mehr Lichtausbeute bei weniger Wärme, weniger Energieverschwendung. Deshalb heißt die Alternative zur Glühbirne ja auch Energie-Spar-Lampe.

Für Cartoonisten und Comiczeichner wirft das Verbot der Glühbirne ganz neue Schwierigkeiten auf: die Glühbirne ist weltweit zum Symbol für eine Idee geworden. Wenn einer Figur in einem Comic ein Licht aufgeht, dann ist es immer eine hell strahlende Glühbirne. Was bedeutet es nun, wenn einem eine Energiesparlampe aufgeht? Zumindest wird es länger dauern und zunächst eher ein schummriges Lichtchen als ein helles Strahlen sein. Welche Art von Idee kann das schon sein? Ideen bei deren Entstehung möglichst viel Energie gespart wurde, haben wir doch wirklich schon genug. Die präsentieren uns unsere Politiker regelmäßig. Was fehlt, sind gute Ideen, die nicht schon bei der Entstehung von nörgelnden Kritikern schlecht geredet werden. Was fehlt ist ein geistiges Klima, in dem neue Ideen willkommen sind und eine Chance bekommen, zu Ende gedacht zu werden. Was fehlt, ist Begeisterungsfähigkeit und Ermutigung. Ideen müssen hell strahlen dürfen! Selbst wenn dabei vielleicht mehr Energie im Raum verpufft als in die Umsetzung fließt. Selbst wenn die eine oder andere Idee noch Utopie bleiben muss. Wenn hinter allem immer nur die Frage nach Effizienz und Durchführbarkeit lauert, gehen uns irgendwann die Lichter aus. Dann traut sich keiner mehr mit einer neuen Sache an die Öffentlichkeit, weil er schon im Voraus weiß, dass es wieder zerredet wird. Es hat sich noch nicht genügend herumgesprochen, dass man nicht dadurch groß wird, dass man Andere klein redet. Das macht die Welt nicht heller.

In der Bibel steht, wir Christen seien das Licht der Welt. Jesus ist wohl der Meinung, wir könnten – mit seiner Botschaft im Gepäck – die Welt aufhellen. Eine Fackel anzünden. Ein Feuerwerk entfachen. Ohne Rücksicht darauf, dass dabei vermutlich viel Wärmeenergie einfach in den Orbit verpufft.

Leider passt die Metapher Energiesparlampe eher zu uns als die der Fackel, die des Feuerwerks oder die einer Funken sprühenden Zündkerze. Da funkt nix, da zündet nix, da wird genau so über Effizienz und Rentabilität diskutiert, wie in der Wirtschaft und als Ergebnis funzelt man ein wenig mit kaltem Licht in der Gegend herum und wundert sich, dass man die Schäfchen nicht mehr sieht. Dabei beamen wir in den Gemeinden eine Statistik nach der anderen an die Wand und zerbrechen uns den Kopf, wie wir die Menschen dazu bewegen können, den Weg zu uns zu finden – pardon, zu Jesus zu finden. Und wenn's so gar nicht klappen will, dann trösten wir uns damit, dass der Geist ja da weht, wo er will, schauen beeindruckt über den großen Teich auf die dort entstehenden Mega-Gemeinden und versuchen deren „Rezepte“ zu kopieren, die uns hier in Form von Büchern, Kassetten und DVDs verkauft werden.

Vielleicht müssen wir uns alle – jeder einzelne – zurückverwandeln von effizienten aber zögerlichen Energiesparlampen zu hellen und vor allem wärmespendenden Glühbirnen. Nicht um die Menschen um uns herum zu überzeugen oder zu überreden, oder ihnen so lange auf die Nerven zu gehen, bis sie endlich mal in unseren Gemeinden erscheinen. Nein! Jesus hat das anders gemeint, als er zu seinen Nachfolgern sagte „Ihr seid das Licht der Welt“. Ich vermute mal stark, es ging ihm darum, dass wir durch unser Leben und unsere Taten Licht und Wärme in unserem Umfeld verbreiten. Das geht nicht, indem wir Energie sparen. Dazu müssen wir Energie aufbringen. Wir können vielleicht nicht alle Probleme dieser Welt lösen, aber wir könnten zumindest unser Umfeld ein wenig heller und wärmer machen. Vielleicht, gelingt uns das, indem wir uns gegenseitig ein wenig mehr um einander kümmern, statt möglichst effizient und stromllinienförmig unser Ding durchzuziehen.

Macht euch mal Gedanken.

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